„Ich habe Schwierigkeiten, eine gute Idee zu erkennen, wenn etwas schlecht geschrieben ist.“

Interview mit Prof. Dr. Florian Doster

Institute for GeoEnergy Engeneering, Heriot-Watt University, Edinburgh.

 

Wie lesen Sie Forschungsanträge? Am Stück oder mit Unterbrechungen?

Mit Unterbrechungen.

Wie häufig kommt bei Ihnen der Gedanke auf: Das könnte eine sehr gute Idee sein, aber leider ist sie sehr schlecht geschrieben worden?

Eher selten. Ich habe Schwierigkeiten, eine gute Idee zu erkennen, wenn etwas schlecht geschrieben ist. Schlecht geschrieben ist für mich identisch mit schlecht durchdacht und strukturiert.

Was sind aus Ihrer Sicht die häufigsten Ursachen für solche „schlecht geschriebenen“ Anträge?

Schlecht durchdachte Anträge.

Was macht für Sie einen gut geschriebenen Antrag aus?

Klare Struktur. „SMART“ objectives, klare Fragestellung.

Wurden Sie mit den Jahren gegenüber Antragsteller*innen milder oder kritischer in der Begutachtung?

Kritischer.

 Was sind die Hauptgründe einen Forschungsantrag positiv zu bewerten?

Interessante Fragestellung, realistische Ziele, bei Kollaborationen klar erkennbare Interaktion.

  Was sind die Hauptgründe einen Forschungsantrag negativ zu bewerten?

Unspezifische Fragestellung, schwammige oder unrealistische Ziele.

Wie oft kommt es vor, dass Sie komplett uneinig mit Gutachterkolleg*innen bzgl. desselben Projektantrages sind?

Meistens herrscht in der allgemeinen Linie Konsens.

  Was ist Ihr wichtigster Ratschlag an Antragsteller*innen?

Klare Fragestellung.

  In Deutschland ist die Begutachtung von Forschungsanträgen eine unvergütete, freiwillige zusätzliche Arbeit -  warum machen Sie das eigentlich?

Das frage ich mich auch.... Eine Mischung aus Pflichtbewusstsein, Neugierde was andere Wissenschaftler gerade treiben und die Möglichkeit für eigene Anträge zu lernen.