"Oft fehlt die innere Logik, einige Anträge sind auch grammatikalisch grausam geschrieben."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Interview mit Prof. Dr. rer. nat. Ralf Littke

RWTH Aachen, Fachgruppe für Geowissenschaften und Geographie

 

Für welche Förderprogramme sind Sie am häufigsten gutachterlich tätig?

„Deutsche Forschungsgemeinschaft, Norwegian Research Council, Alexander-von-Humboldt Stiftung“

Wie viele Forschungsanträge begutachten Sie in etwa pro Jahr?

„Sehr unterschiedlich, vier bis vierzig.“ 

Wie lesen Sie Forschungsanträge? Am Stück oder mit Unterbrechungen?

„Unterschiedlich, meist scanne ich den Antrag zuerst und lese ihn danach am Stück gründlich durch.“

Wie häufig kommt bei Ihnen der Gedanke auf: Das könnte eine sehr gute Idee sein, aber leider ist sie sehr schlecht geschrieben worden?

„Vielleicht bei 10% der Anträge.“

Was sind aus Ihrer Sicht die häufigsten Ursachen für solche „schlecht geschriebenen“ Anträge?

„Oft fehlt die innere Logik, einige Anträge sind auch grammatikalisch grausam geschrieben.“

Was macht für Sie einen gut geschriebenen Antrag aus?

„Sehr klare Zielsetzung, klare Hypothesen, ein guter Arbeitsplan.“

Wurden Sie mit den Jahren gegenüber Antragsteller*innen milder oder kritischer in der Begutachtung?

„Eher etwas milder.“

Wieviel Prozent Ihrer Kollegen sind aus Ihrer Sicht eher wohlwollend in der Bewertung?

„Schwer zu beurteilen, es gibt aber einige Gutachter, die generell sehr positiv sind und auch andere, die fast alles ablehnen. Ca. 90% bewegen sich aber im „Normalbereich“.“

Wie oft kommt es vor, dass Sie komplett uneinig mit Gutachterkolleg*innen bzgl. desselben Projektantrages sind?

„Diskrepanzen sind durchaus häufig, wobei „komplette Uneinigkeit“ eher selten auftritt, vielleicht 10%.“

Was ist Ihr wichtigster Ratschlag an Antragsteller*innen?

„Zuerst sollte eine Fragestellung da sein, die spannend und innovativ ist; Hypothesen sollten gut herausgearbeitet werden. Anschließend sollte der Stand der Forschung auf Basis neuester Wissenschaft klar verstanden und beschrieben werden. Der Arbeitsplan muss genügend detailliert sein und zu den Forschungsfragen sehr gut passen. Die Machbarkeit des Forschungsansatzes muss dabei deutlich werden. Schließlich sollten geeignete Projektpartner national und/oder international gesucht werden.“

In Deutschland ist die Begutachtung von Forschungsanträgen eine unvergütete, freiwillige zusätzliche Arbeit -  warum machen Sie das eigentlich?

„Ich möchte, dass meine eigenen Anträge auf sehr gutem Niveau begutachtet werden; umgekehrt muss ich auch als Gutachter zur Verfügung stehen.“