Die Gender-Frage oder warum wir alle gendern müssen!

„Müssen wir den Antragstext eigentlich auch noch gendern?“. Mit dieser Frage muss man immer rechnen. Leider auch damit, dass diese Frage meistens von einer Frau gestellt wird. Mit dem Stellen der Frage werden sogleich die Argumente geliefert, die gegen ein gendern des Textes sprechen: Erstens, heißt es dann, sei dies nicht besonders „lesefreundlich“ und wäre ja grundsätzlich „unverständlich“, schadet somit dem Antrag. Zweitens „nimmt es ja auch Platz weg“. Das sind in diesem Zusammenhang die klassischen Argumente, die zum bewährten Ergebnis führen: Die Präferenz für das generische Maskulin. Diese Situation habe ich in der Beratung oder in Seminaren schon viele Male erlebt. Erstaunt bin ich aber immer wieder aufs Neue. Irgendwie hoffe ich wohl stets, dass die Zeiten für diese Art Frage vorbei sein sollten. Das sind sie aber nicht. Ich muss ebenfalls zugeben, dass mich die Frage immer ein wenig aufregt, besonders wenn sie von Frauen gestellt wird. Das versuche ich mir natürlich nicht anmerken zu lassen, indem ich tief Luft hole und zu meinem klassischen argumentativen Dreisprung ansetze.

  1. Sprache ist Macht. Sprache formt und gestaltet unsere Realität.
  2. Ein gegenderter Text bringt eine Gleichstellung der Geschlechter zumindest sprachlich zum Ausdruck. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass geschlechtergerechte Sprache nicht weniger verständlich ist, als eine rein „männliche“ Sprache. Also keine Sorge, Ihr Antragstext wird keinen „Schaden“ nehmen und die potentielle Fördergelder gefährden.
  3. Beim generischen Maskulinum sind Frauen „mitgemeint“, aber sie sind definitiv nicht „mitangesprochen“, also bitte, ja gendern sie ihre Texte, alle und immer.

Falls Sie – Mann oder Frau - wirklich davon überzeugt sind, dass Sie das Gendern von Texten persönlich nicht brauchen oder gar als gänzlich unnötig empfinden, dann tun Sie es für die nachfolgenden Generationen oder für Ihren Forschungsantrag. Der Punkt "Gleichstellung" hat schon lange keinen Alibi-Status bei der Bewilligung von Forschungsgeldern. Bei EU-Programmen zeichnet sich dies bereits deutlich ab und die Bundesprogramme übernehmen erfreulicherweise diese Entwicklung zunehmend. 
Der ambitionierte Spagat, heilige Eide - im Antragstext - auf die Gleichstellung zu schwören, aber dennoch auf die direkte weibliche Ansprache zu verzichten, wird dann hoffentlich immer schwerer zu bewerkstelligen sein. 

Daher in der Kurzversion, die Antwort auf die Frage, ob wir eigentlich den Text auch noch gendern müssen: Ja. Unbedingt. Immer. Alles andere ist einfach nicht mehr zeitgemäß.

 

Falls Sie Unterstützung zu dem Thema brauchen, Studien nachlesen, oder sich einfach informieren möchten, dann kann ich Ihnen folgende Seite empfehlen – garantiert frei von Dogma!

 

www.genderleicht.de

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